Ich kann nicht meditieren - Wie du Meditation endlich zur Gewohnheit machst

Ich kann nicht meditieren – Wie du Meditation endlich zur Gewohnheit machst

Klappt es bei dir irgendwie nicht mit einer regelmäßigen Meditationspraxis? Denkst du, dir fehlt dir Zeit, schiebst du es vor dir her oder kannst einfach nicht stillsitzen? Das kenne ich so gut. Trotzdem habe ich es endlich geschafft, Meditation zu meiner Gewohnheit zu machen. Warum es mir lange Zeit so schwerfiel, wie ich es endlich geschafft habe und wie auch du dir eine tägliche Meditationspraxis aufbaust, verrate ich dir in diesem Artikel.

Es war nicht Liebe auf den ersten Blick

Ich zünde eine Kerze an, setze mich hin und da ist sie: die Stille. Ich nehme mir vor, die Stille zu genießen, aber irgendwas zwickt oder juckt da noch. Ich rutsche verzweifelt hin und her, um eine gute Sitzposition zu finden. Als ich dann endlich glaube, bequem sitzen zu können, versuche ich, mich auf meinen Atem zu konzentrieren. Ich atme ein. Ich atme aus. Wie immer eigentlich. Ist das schon Meditation?

Draußen fährt ein Lastwagen vorbei. Mein Freund lässt nebenan einen Teller fallen. Warum müssen die alle solch einen Lärm machen? Ich will doch meditieren, denke ich und muss mich schon wieder kratzen, weil meine Nase juckt. Wie soll man sich denn da entspannen? Ich konzentriere mich wieder auf meinen Atem.

Ah, da ist sie die Stille…

…Einfach sein…, sage ich mir

…nicht nachdenken…

…bleib ganz bei dir…

…ahhh…

…lass deine Gedanken einfach vorbeiziehen…

…was esse ich heute eigentlich zum Frühstück?

Verzweifelt öffne ich die Augen. Oh man, das mit dem Meditieren klappt einfach nicht und meine Füße sind auch eingeschlafen. Aus Enttäuschung humple ich mit eingeschlafenen Füßen in die Küche und mache mir Frühstück. Ich kann einfach nicht meditieren, sage ich mir.

Warum fiel mir Meditation so schwer?

Ich kann nicht meditieren - Wie du Meditation endlich zur Gewohnheit machst 3

So oder so ähnlich ging es mir mit der Meditation eine ganze Weile. Wir hatten eher eine On-off-Beziehung. Alle paar Wochen setzte ich mich hin, versuchte an nichts zu denken und gab resigniert auf, weil die Ruhe einfach nicht eintreten wollte. Heute weiß ich, ich habe einen entscheidenden Fehler gemacht. Naja, eigentlich mehrere.

Ich bin von Natur aus ein eher unruhiger Mensch. Meine Gedanken springen gern wild hin und her und oft denke ich schon an den nächsten Schritt, bevor ich überhaupt den ersten getan habe. Deswegen habe ich lange Zeit gedacht, ich könnte nicht meditieren und meine ersten kläglichen Versuche bestätigten mir das.

Doch wie du schon gelesen hast, habe ich es doch geschafft, mir eine tägliche Meditationspraxis aufzubauen. Warum also fiel es mir so schwer? Ich glaube, es gab mehrere Probleme und vielleicht erkennst du dich ja in dem ein oder anderen Punkt wieder:

  • Ich habe geglaubt, Meditation bedeute, an nichts zu denken und mich deswegen verurteilt, weil das nicht geklappt hat.
  • Ich war nicht mit vollem Herzen dabei, sondern dachte, ich müsste meditieren.
  • Ich habe zu viel von der Meditation erwartet.
  • Meistens habe ich zu früh aufgegeben. Ich wollte zu schnell zu viel.
  • Ich habe mich unter Druck gesetzt.

Was sich geändert hat

Meine ersten Meditationsversuche habe ich vor gut einem Jahr gemacht. Immer wieder habe ich mich hingesetzt und gehofft, ich würde in der Meditation innerer Ruhe und Frieden begegnen. Tatsächlich bin ich aber erst einmal nur einem begegnet: Mir selbst.

Anfangs fiel es mir unglaublich schwer, alles anzunehmen, was da in mir hochkam, wenn im Außen Stille eingekehrt war. Davon, die Stille zu genießen und einfach zu sein, war ich weit entfernt. Statt einfach zu sein, habe ich die ganze Zeit über versucht, etwas zu tun, nämlich krampfhaft meine Gedanken verschwinden zu lassen. Deswegen bin ich immer und immer wieder gescheitert.

Danach habe ich eine lange Pause vom Meditieren genommen. Doch vor ein paar Monaten war plötzlich die Neugierde und Lust darauf da. Ich wollte es einfach probieren. Ganz ohne Druck und ohne Erwartungen. Und siehe da. Auf einmal hat es geklappt. Natürlich haben mir noch ein paar andere Tipps dabei geholfen, mir eine Meditationspraxis aufzubauen. Welche das sind, verrate ich dir jetzt.

So baust du dir eine regelmäßige Meditationspraxis auf

1. Kenne dein Warum!

Der absolute Grundstein für jede meiner Gewohnheiten oder Leidenschaften ist mein Warum. In einem Gastartikel habe ich auch schon einmal darüber geschrieben, warum dein Warum auch für eine regelmäßige Yogapraxis ganz entscheidend ist.

Warum möchtest du meditieren? Führe dir die Gründe einmal ganz klar vor Augen. Ein starkes Warum schafft Motivation und erinnert dich daran, wieso du Meditation in deinen Alltag integrieren möchtest. Dein Warum kann ganz verschieden aussehen. Wichtig ist nur, dass diese Motivation wirklich von dir kommt. Äußerer Druck oder Motivation kann eine Zeit lang eine Gewohnheit aufrechterhalten, aber wenn du Meditation wirklich zur Routine machen willst, muss die Motivation aus dir heraus kommen.

Vielleicht möchtest du mehr Ruhe und Gelassenheit in deinen Alltag bringen oder du suchst in der Meditation nach Entspannung. Was es auch ist, mach dir dein Warum bewusst. Du kannst es dir auch gern aufschreiben und immer dann anschauen, wenn die Motivation gerade zu wünschen übrig lässt.

2. Nimm Schritt für Schritt!

Vielleicht geht es dir ähnlich wie mir und du stürzt dich mit voller Motivation in neue Dinge und Interessen und gehst dabei direkt in die Vollen. Bei meinen ersten Meditationsversuchen wollte ich viel zu viel. Ich habe mir direkt vorgenommen, eine halbe Stunde am Tag in völliger Stille zu meditieren, ohne dass ich jemals vorher wirklich meditiert hatte. Was meinst du, wie hat das funktioniert? Genau, gar nicht. Und die Motivation war schnell verpufft.

Für mich hat es mit dem Meditieren endlich geklappt, als ich meine Schritte kleiner gemacht habe. Zuerst mit drei bis fünf Minuten am Tag, wobei ich anfangs auch nicht jeden Tag meditiert habe. Drei bis fünf Minuten klingen nicht viel oder? Aber sie können viel bewirken und vor allem ist es ein kleines Ziel und leichter durchzuhalten. Mit der Zeit habe ich dann die Länge meiner Meditationen immer weiter gesteigert und variiert.

Es ist wichtig, die Dauer hin und wieder zu variieren. Dein Körper stellt sich darauf ein, wenn du monatelang immer genau fünf Minuten meditierst und es kann dir dann eventuell sehr schwerfallen, darüber hinauszugehen. Meine magische Grenze war längere Zeit bei 12 Minuten. Ich habe täglich 12 Minuten lang meditiert. Als ich dann plötzlich auf 15 Minuten erhöhen wollte, fiel es mir unglaublich schwer und ich habe meist genau nach 12 Minuten wieder die Augen geöffnet. Ich habe mir die 12-Minuten-Marke sozusagen einprogrammiert.

3. Ändere deine Perspektive!

Meditation soll dir im Idealfall helfen, stärker mit dir selbst in Verbindung zu kommen und mehr Ruhe in deinen Alltag zu bringen. Lass Meditation nicht zu einem weiteren Punkt auf deiner To-do-Liste werden. Meditation bedeutet, Zeit für dich und Zeit, in der du nichts erledigen oder tun, sondern einfach nur sein musst.

Mir hat es deshalb sehr geholfen von einem „Ich muss meditieren“ zu einem „Ich darf meditieren“ zu kommen. Sieh deine Meditationspraxis als Zeit für dich an. Wie wundervoll ist es bitte, dass du dir dieses Geschenk machst, indem du ein paar Minuten am Tag nur für dich reservierst? Ein „Ich muss“ erzeugt immer Druck und dann wirst du mit Sicherheit bald die Nase voll haben vom Meditieren. Ein „Ich darf“ ist ein Privileg, für das du dankbar sein kannst.

4. Lass deine Erwartungen los!

Einer meiner größten Fehler bei meinen ersten Meditationsversuchen war, dass ich sooo viele Erwartungen hatte.  Ich hatte Erwartungen an die Meditation und auch an mich selbst. Ich dachte, Meditieren würde von jetzt auf gleich mein Leben verändern, mir Ruhe und Erleuchtung schenken und ich würde den ganzen Tag nur noch freudestrahlend durch die Gegend laufen. Spoileralarm: So ist es nicht gekommen.

Ich hatte solch hohe Erwartungen und ein ganz genaues Bild davon, was passieren würde, dass ich schnell aufgegeben habe, weil genau das nicht eintrat. Erst als ich meine Erwartungen losgelassen und mich einfach für den Moment geöffnet habe, konnte ich die Meditation wirklich genießen. Manchmal geht es gar nicht so sehr um ein bestimmtes Ergebnis, sondern einfach darum, dass wir der Situation mit einem offenen Herzen begegnen.

5. Finde die richtige Meditationsart für dich!

Jeder Mensch ist anders. Du bist anders als ich und das ist gut so. Deswegen bin ich der Meinung, dass auch die Vorlieben bei der Meditation verschieden sein können. Vielleicht magst du stille Meditationen lieber als geführte oder möchtest lieber eine Gehmeditation machen als stillzusitzen.

Finde heraus, was für dich funktioniert und zwing dich nicht dazu, eine bestimmte Meditationsart durchziehen zu müssen. Was sich gut anfühlt, wird dir auch gut tun. Eine tolle Übersicht über die verschiedenen Meditationsarten findest du übrigens hier auf dem Blog der lieben Julia.

Wenn es dir leichter fällt, mit Hintergrundmusik zu meditieren, findest du hier meine Yoga- und Meditations-Playlist.

6. Geführte Meditationen sind nicht nur für Anfänger da!

Aus einem mir unerklärlichen Grund herrscht die Meinung vor, geführte Meditationen seien nur etwas für Anfänger. Das habe ich selbst lange geglaubt. Natürlich ist die stille Meditation etwas ganz besonderes, aber geführte Meditationen sind für Anfänger wie Fortgeschrittene eine tolle Sache. Warum sollten wir sie also nicht nutzen?

Ich wechsle ganz gerne stille Meditationen mit geführten ab, je nachdem, wie ich mich gerade fühle. Es gibt da draußen so viele tolle geführte Meditationen. Ich bin sicher, du findest auch welche für dich. Wenn du möchtest, kannst du auch gern meinen Podcast abonnieren. Dort wird es in Zukunft auch geführte Meditationen geben. Du darfst also gespannt sein!

7. Halte durch!

Ja, Meditation ist wie alles andere im Leben auch eine Frage der Übung. Mit jedem Tag wird es dir leichter fallen und mehr zur Gewohnheit werden. Bei mir gehört es inzwischen zu meinem Alltag wie das morgendliche Zähneputzen. Dranbleiben ist da wirklich das A und O. Versprochen!

Hast du schon Erfahrungen mit Meditation gemacht? Was fiel dir dabei am schwersten? Schreib es mir unbedingt in die Kommentare!

 

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