Yoga-Mythen und Vorurteile und was wirklich dahinter steckt 2

Die 7 besten Yoga-Mythen und Vorurteile und was wirklich dahinter steckt

Ums Yoga ranken sich ja so einige Mythen und Vorurteile und viele davon halten sich tatsächlich schon seit Jahren hartnäckig. In diesem Beitrag wollen wir die besten Mythen und Vorurteile rund ums Thema Yoga mal unter die Lupe nehmen und schauen, an welchen wirklich etwas dran ist und welche wir direkt gedanklich entsorgen dürfen.

Woher kommen die Mythen und Vorurteile rund ums Yoga?

Yoga ist mehr denn je Trend und in unserer Gesellschaft inzwischen ankommen und weit verbreitet. Trotzdem halten sich einige Mythen und Vorurteile hartnäckig und ich muss zugeben, dass es mir bis vor ein paar Jahren nicht anders ging. Bevor ich mit Yoga angefangen habe, hatte ich auch so meine Vorstellungen und Vorurteile. Einige davon haben es auch in diesen Blogartikel geschafft.

Doch warum gibt es so viele Vorurteile rund um Yoga? Wie das mit Vorurteilen nun einmal so ist. Sie existieren nicht ohne Grund. Das heißt jedoch nicht, dass an allen etwas Wahres dran ist und vieles kann man auch nicht so pauschal sagen. Denn oft entstehen Vorurteile auch aus Halbwissen. Tatsächlich lohnt es sich, mal genau hinter diese Mythen und Klischees zu gucken und zu prüfen, was wirklich dran ist. Denn Vorurteile halten uns oft davon ab, uns näher mit einem Thema zu beschäftigen und genauer hinzuschauen. Wir haben unsere Vorstellungen und basta!

Dabei wäre es schade gewesen, hätten meine Vorurteile mich dazu veranlasst, niemals in eine Yogastunde zu gehen und mich ins Yoga zu verlieben. Deswegen lass uns gemeinsam hinter die Fassade schauen und gucken, welche Vorurteile dem Test standhalten und welche nicht. Vielleicht denkst du ja danach ein wenig anders über manche Vorurteile 🙂

Die 7 besten Yoga-Mythen und Vorurteile

1. Um Yoga zu machen, muss ich gelenkig sein

Gleich zu Anfang mal ein riesengroßes NEIN! Doch ich muss zugeben, das war auch eines meiner Vorurteile gegenüber Yoga und ich glaube, vielen Anfängern geht es ähnlich. Wir sehen Bilder auf Instagram und Facebook und beim erstmaligen Betreten des Yogastudios kommt uns vielleicht eine super flexible Ballerina entgegen getänzelt, sodass wir direkt kehrtmachen, weil wir denken: Oh nein, das kann ich nicht. Ich bin nicht gelenkig genug.

Aber wenn eines dieser Vorurteile überhaupt nicht stimmt, dann ist es dieses hier. Ich spreche aus Erfahrung. Denn ich war eine der unflexibelsten Personen, die es gibt, bevor ich mit dem Yoga angefangen habe. Ich konnte nicht mal im entferntesten meine Zehen berühren und auch heute noch bin ich weit davon entfernt, mich in unmenschliche Verrenkungen, Spagat oder Co. begeben zu können und das ist überhaupt nicht schlimm. Natürlich ist es toll, wenn du flexibel bist. Viele Übungen werden dir dann leichter fallen als mir als ungelenkiger Klotz, aber auch wenn du nicht flexibel bist, ist das in Ordnung.

Im Yoga gibt es keine Erwartungen und keine Perfektion oder zumindest sollte es diese nicht geben. Du kommst mit deinem ganz individuellen Körper und Fähigkeiten und tust genau das, was du tun kannst und was dir gut tut. Mehr nicht. Dein Körper zeigt dir deine Grenzen und du solltest sie akzeptieren lernen. Mit der Zeit und der Übung wird dein Körper automatisch dehnbarer und dir werden viele Übungen mit der Zeit immer leichter fallen. Und wenn nicht, ist das auch okay! Es ist nicht die Übung, um die es geht, sondern was sie dich lehrt. Zu diesem Thema noch zwei tolle Zitate, weil sie einfach so toll passen und ich sie liebe:

„Yoga is not about touching your toes, it’s about what you learn on the way down.“ – Jigar Gor

„Saying you’re not flexible enough for Yoga is like saying you’re too dirty to take a bath.“

2. Alle Yogis sind Hippies

Dieses Vorurteil hält sich wirklich hartnäckig. Also was ist dran? Ja, einige Yogis tragen gern bunte Leggings, sind ein bisschen mehr Öko unterwegs und achten auf ihren Konsum, aber das ist eben nur ein Bruchteil vom Ganzen.

Die Yoga-Community ist riesengroß, vielfältig und bunt. Im Yoga findest du alle möglichen Arten von Menschen aus allen möglichen Ländern und Kulturen. Menschen unterschiedlicher Größe, unterschiedlichen Alters mit unterschiedlichen Interessen, Religionen und Weltbildern. Wie „der typische Yogi“ aussieht, lässt sich also gar nicht sagen. Also lass dich nicht davon abhalten, Yoga zu machen nur weil du Angst hast, du müsstest zum Hippie mir Rastalocken, Jutebeutel und Batiklook mutieren. Jeder entscheidet immer noch selbst, wie er sein Leben leben will. In mir zum Beispiel steckt schon ein bisschen Hippie, aber eben nicht in allen Bereichen und das finde ich gut so 🙂

3. Yoga ist nicht anstrengend und fordert mich nicht

Noch so ein Vorurteil, das ich vor ein paar Jahren noch selbst unterschrieben hätte. Ich dachte auch immer, dass man beim Yoga nur sehr sanfte und langsame Bewegungen macht, die überhaupt nicht anstrengend sind oder dass man hauptsächlich atmet. Während der erste Punkt für einige Yogastile wie zum Beispiel Yin Yoga zutrifft, gibt es zwei große ABERs.

  1. ABER: Ja, in manchen Yogastilen führt man eher langsame Bewegungen aus, ABER das bedeutet nicht, dass es nicht anstrengend sein kann. Im Yin Yoga werden die einzelnen Haltungen oft für mehrere Minuten! gehalten. Das kann sowohl für den Körper sehr anstrengend sein als auch für unseren Geist (Mehr zum Yin Yoga erfährst du übrigens in diesem Artikel).
  2. ABER: Ja, es gibt eher sanfte Yogastile, aber auch Yogastile, die dich wirklich an deine körperlichen Grenzen bringen und fordern können. Ich spreche aus Erfahrung. Ich selbst praktiziere seit knapp eineinhalb Jahren Ashtanga Yoga und jeder, der das schon einmal probiert hat, weiß: Das ist nicht ohne. Selbst hoch anstrengende Sportarten haben mich so zum Schwitzen gebracht und mir solchen Muskelkater beschert wie Ashtanga Yoga. Aber auch andere Yogastile können durchaus schweißtreibend sein und ich habe schon den ein oder anderen Anfänger gesehen, der nach der Yogastunde gefragt hat, ob das wirklich der Anfängerkurs war.

Also wenn dich dieses Vorurteil bisher davon abgehalten hat, Yoga auszuprobieren, ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt, es noch einmal zu überdenken und einfach mal eine Probestunde mitzumachen.

4. Yoga ist nur was für Frauen

Woher kommt dieses Vorurteil wohl? Wahrscheinlich hängt es ein bisschen mit Punkt 3 zusammen, dass Yoga nicht anstrengend sei und deswegen eher so eine Art sanfte Gymnastik ist, die für Männer nichts wäre. Tatsächlich trifft man in Yogastudios kaum auf Männer. Da herrscht eindeutig Frauenüberschuss. Dabei war Yoga ursprünglich eine reine Männerveranstaltung und Frauen wurden gar nicht unterrichtet. Erst im letzten Jahrhundert gab es in dieser Hinsicht einen Umbruch.

Was auch immer die Männer abhält, bitte lasst euch nicht abhalten. Yoga ist weder lahm, noch nur für Frauen geeignet oder unmännlich und von allen Vorteilen, die Yoga mit sich bringt, können Männer wie Frauen profitieren. Also traut euch und wagt euch auf die Matte.

Yoga-Mythen und Vorurteile und was wirklich dahinter steckt

5. Yogis sind immer ausgeglichen und ruhig

Und wieder ein dickes, fettes NEIN. Yogis sind auch nur Menschen. Wir haben auch unsere Tiefphasen und schlechten Tage und auch uns gehen Stau, nervige Nachbarn oder was auch immer hin und wieder auf den Geist. Nur weil wir Yoga machen, meditieren oder Atemübungen machen, sind wir nicht rund um die Uhr erleuchtet und sehen alles immer locker und gelassen.

Hilft Yoga dabei, ausgeglichener und ruhiger zu werden? Definitiv ja. Yoga kann dich dabei unterstützen, dir über deine Gedanken und Gefühle bewusst zu werden und generell ruhiger zu werden, aber das heißt nicht, dass immer alles Friede Freude Eierkuchen ist. Auch Yogis spüren Wut, Stress und sind genervt. Yoga kann aber dabei helfen, diese Gefühle und Gedanken zu akzeptieren und mit der Zeit ausgeglichener zu werden.

6. Um Yoga zu machen, muss ich spirituell sein

Ja und nein. Jede Person kommt aus einem anderen Grund zum Yoga. Die meisten Menschen kommen, weil sie körperliche Anstrengung suchen oder körperlichen Schmerzen vorbeugen wollen. Viele von diesen Menschen (einschließlich mir) entdecken mit der Zeit, dass Yoga auch eine spirituelle Seite hat und finden Gefallen daran.

Doch auch wenn du nicht nach Spiritualität suchst oder wegen der physischen Seite zum Yoga kommst, ist das völlig okay. Jeder Mensch findet im Yoga etwas anderes und Yoga kann dir gut tun, egal ob du spirituell bist oder nicht. Alles kann, aber nichts muss.

7. Yoga macht mich zu einem besseren Menschen

Dies ist natürlich ein sehr positives Vorurteil, aber trotzdem hat es seine Tücken. Viele Menschen stellen sich Yoga als eine große Wundermaschine vor: Oben kommen wir Menschen mit all unseren Problemen, „Makeln“ und Unperfektionismus rein und unten kommen wir als bessere, perfekte Menschen ohne Sorgen und Probleme heraus.

Ich muss dich leider enttäuschen. Yoga macht dich nicht zu einem komplett anderen Menschen. Ja, Yoga kann einige Dinge in deinem Leben ins Rollen bringen und dir Offenheit für Veränderung und Neues schenken, aber es macht dich nicht automatisch zu einem besseren Menschen. Im Yoga geht es vor allem darum, zu akzeptieren, was ist und nicht Erwartungen zu stellen oder immer mehr zu wollen. Wenn du mit der Erwartung zum Yoga gehst, über Nacht ein besserer Mensch zu werden, wirst du enttäuscht werden.

Aber ich kann dir versprechen, wenn du dich auf den Prozess einlässt, achtsamer mit dir selbst und deiner Umwelt bist und akzeptierst, was gerade ist, können Dinge passieren, die sich tatsächlich wie kleine Wunder anfühlen und das Potenzial haben, dein Leben zu verändern.

Zu diesem Thema kann ich dir wirklich diesen Artikel ans Herz legen. Darin habe ich 7 Yoga-Expertinnen interviewt und gefragt, was Yoga in ihrem Leben verändert hat. Die Antworten sind überraschend, berührend und machen (noch) mehr Lust auf Yoga.

Und nun noch mein Schlussplädoyer: Wenn du mit dem Gedanken spielst, mit Yoga zu beginnen, probier es einfach. Lass dich nicht von irgendwelchen Vorurteilen abhalten. Yoga holt dich da ab, wo du bist. Die meisten Vorurteile räumen sich von ganz allein aus dem Weg und selbst wenn ein Fünkchen Wahrheit dahinter steckt, muss dich das nicht stören. Ich wünsche dir ganz viel Spaß auf deinem Yogaweg.

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