Erste Hilfe - Das hilft, wenn du in ein Tief rutschst

Erste Hilfe – Das hilft, wenn du in ein Tief rutschst

Wenn du das Gefühl hast, gerade in einem richtigen Tief festzustecken, wenn du alles hinterfragst und irgendwie die Luft raus ist, dann ist dieser Artikel für dich. Ich verrate dir, warum Tiefphasen wichtig für uns sind und was mir hilft, wenn ich mal wieder in einer Tiefphase stecke.

Was Tiefphasen mit uns machen und warum sie wichtig für uns sindDas hilft, wenn du in ein Tief rutschst 2

Warst du schon einmal an dem Punkt, an dem einfach alles keinen Sinn mehr zu haben scheint? An dem du alles hinterfragst und das Universum gegen dich zu spielen scheint? An dem einfach alles schief geht und die Luft raus ist? Ich war definitiv schon sehr oft an diesem Punkt und da du diesen Artikel liest, nehme ich an, dass dir dieses Szenario bekannt vorkommt.

Wer schon einmal so ein Tief durchlebt hat, weiß, das ist alles andere als schön. Du fühlst dich unwohl, hast vielleicht ein schlechtes Gewissen, möchtest am liebsten heulen und weißt einfach nicht, was los ist. Vielleicht wehrst du dich dagegen, willst am liebsten die Uhr vor- oder zurückdrehen, damit dieses blöde Tief endlich vorbei ist und du weitermachen kannst, wie bisher. Aber ich gebe dir einen ganz anderen Tipp…

Lerne, deine Tiefs zu lieben

„Was? Warum und wie?“ denkst du jetzt vielleicht. Vielleicht denkst du auch, dass ich total durchgeknallt bin, aber das ist meine größte Erkenntnis aus jahrelanger Erfahrung mit sehr tiefen Tiefphasen. Je mehr du dich dagegen wehrst, dagegen ankämpfst und versuchst, so zu tun, als wäre alles in Ordnung und als könntest du das Tief ignorieren, desto schlimmer wird es und desto länger wird es andauern.

Ich will dir keine Angst machen. Vielleicht hat diese Taktik für dich bisher funktioniert, vielleicht auch nicht, aber du wärst nicht hier, wenn es dich nicht noch betreffen würde. Du musst dich für diese Tiefphasen nicht schämen. In unserer Leistungsgesellschaft neigen wir oft dazu, sie zu überspielen, eine Maske aufzusetzen und zu funktionieren. Aber Tiefphasen sind ein Geschenk. Sie zeigen, dass du dich entwickelst, wächst und Dinge hinterfragst, weil es dir wichtig ist, ein glückliches und erfülltes Leben zu haben. DAS IST TOLL und kein Grund, sich zu schämen.

Wenn du noch an einer schlimmen seelischen Verletzung oder Schmerzen aus der Vergangenheit zu knabbern hast, dann ist diese Podcast-Folge hier vielleicht genau das richtige für dich. Ich erkläre dir, wie du die ewige Frage nach dem Warum überwindest und herausfindest, was der Schmerz dich lehren möchte.

Frag dich nicht, was du gegen das Tief tun kannst, sondern wie du mit ihm zusammenarbeiten kannst

Ich würde nicht sagen, dass du etwas gegen das Tief tun kannst, aber du kannst lernen, mit dem Tief zusammenzuarbeiten. Ein Tief entsteht in dir und auch wenn wir es nicht gern hören, es ist ein Teil von uns, ein Teil unserer Gefühlswelt. Wenn du gegen das Tief arbeitest, arbeitest du auch gegen dich.

Ich weiß, das macht keinen Spaß. Es ist nicht schön, das Tief und die aufkommenden Gefühle auszusitzen und sie einfach geschehen zu lassen, aber das ist meiner Meinung nach der beste Weg aus einer Tiefphase. Ich kann dir auch nicht versprechen, dass nicht ein paar Tränchen kullern werden oder du dich schlecht fühlen wirst, aber es wird schneller vorbeigehen, als wenn du dagegen ankämpfst und die Gefühle nicht zulässt. Damit du gegen die nächste Tiefphase gewappnet bist, möchte ich dir ein paar meiner Notfalltipps verraten.

Atmen und fühlen

Klingt banal oder? Aber frag dich mal, wie oft du negative Gefühle schon von dir weggeschoben, sie ignoriert und einfach weitergemacht hast statt innezuhalten. Tiefphasen verlangen unsere Aufmerksamkeit, oft sogar unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Natürlich nervt das, aber versuch dir wirklich mal ein bisschen Zeit zu nehmen und einfach mal zu fühlen, was da gerade eigentlich in dir vorgeht, wenn du ein Tief hast und sei dabei ehrlich zu dir.

  • Wie fühlst du dich?
  • Was macht das mit dir?
  • Bist du traurig, zornig, hilflos, genervt, unmotiviert, ausgelaugt…?
  • Wie äußert sich das?

Allein dieser Schritt kann schon eine ganze Menge verändern, weil du Gefühle und Gedanken zulassen und beobachten kannst und vor allem erst einmal einen Schritt zurücktrittst und schaust, was überhaupt vor sich geht.

Zulassen und erlauben

Manchmal kommen beim Nachspüren Dinge ans Tageslicht, die wir gar nicht sehen wollen. Negative Gedanken, schlechte Erinnerungen, unangenehme Erfahrungen und alte Glaubensmuster kommen zurück und machen es uns schwer. Ein Teil des Prozesses ist es, dass du genau diese manchmal unschönen Dinge zulässt und nicht darüber urteilst beziehungsweise dich dafür verurteilst, was du denkst und fühlst.

Lass diese Gedanken zu, beobachte sie und lass sie dann wieder gehen. Das ist ein schwieriger Teil des Prozesses, ich weiß. Doch versuche einfach mal, anzunehmen, was da kommt und mit der Zeit wird dir das immer leichter fallen.

Erste Hilfe - Das hilft, wenn du in ein Tief rutschst

Werde dir darüber bewusst, dass es nur eine Phase ist

Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Ich kenne mich inzwischen sehr gut und ich weiß, dass meist nach jeder Hochphase bei mir auch wieder ein Tief folgt. Ich kenne die Anzeichen, die Symptome und weiß, was es bedeutet. Doch ich weiß auch, dass es vorbeigeht, wenn ich es zulasse und dass es meist nur ein paar Tage braucht und ein bisschen Abstand und mehr Selbstfürsorge.

Also wenn du das nächste Mal eine Tiefphase hast, werde dir darüber bewusst, dass es nur eine Phase ist. Es geht vorbei und es kommen auch wieder andere Zeiten. Ich weiß, dass es sich in dem Moment des Tiefs nicht so anfühlt, aber auch dieses Tief geht vorbei und du wirst einiges daraus lernen.

Nimm deinen Körper wahr

Wenn ich in einem Tief bin, dann fühle ich mich meist nicht wirklich verbunden. Nicht verbunden mit meinem Körper, meinen Werten, meinen Gedanken und allem um mich herum, vor allem nicht mit mir selbst. Kennst du das? Was mir hilft, mich wieder verbundener mit mir und meinem Körper zu fühlen, ist ihn bewusst wahrzunehmen.

Das kannst du auf ganz unterschiedliche Art und Weise machen:

  • Yoga ist natürlich ganz wunderbar, um dich wieder mit deinem Körper zu verbinden (wenn du sofort loslegen willst, schau mal hier vorbei :))
  • Auch über den Atem kannst du gut ins Spüren kommen und Verbindung zu dir und zu deinem Körper schaffen
  • Du kannst dir selbst eine kleine Massage verpassen oder dir eine Umarmung schenken.
  • Jegliche Art von Sport und Bewegung ist fantastisch und wenn es nur ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft ist. Frische Luft ist übrigens auch ein ganz tolles Wundermittel, wenn mal wieder ein Tief im Anmarsch ist.

Schaff dir Routinen

Ein Tief kann dich ganz schön aus der Bahn werfen. Dann ist es gut, wenn du etwas hast, an dem du dich festhalten kannst und das dir Struktur gibt. Genau das ist die Aufgabe von Routinen. Sie geben unserem Alltag Struktur und helfen uns. Obwohl es manchmal auch wichtig ist, seine Gewohnheiten mal zu durchbrechen und die Komfortzone zu verlassen, habe ich die Erfahrung gemacht, dass Routinen gerade in Tiefphasen lebensrettend sein können.

Denn wenn du in einer Tiefphase bist, brauchst du nichts, was dich aus deiner Komfortzone holt. Du bist bereits außerhalb deiner Komfortzone und was du jetzt brauchst, ist Unterstützung. Schaff dir Routinen, die du auch in Tiefphasen weiterführen kannst. Das bringt dir Struktur und vor allem verbraucht es wenig Energie, die du jetzt für emotionale Arbeit brauchst. Nichts ist anstrengender als in einer Tiefphase Dinge zu erledigen, die viel Kraft kosten und uns neu sind. Baue in deine Routinen am besten Dinge ein, die dir Energie schenken und nicht nur welche, die dich Energie kosten.

Dinge, die mir zum Beispiel Energie schenken, sind:

  • Yoga
  • Meditation
  • Journaling
  • Körperpflege
  • ein Buch lesen
  • Kochen
  • Spazieren gehen

Überlege, welche Routinen und Rituale dir Energie schenken und dich in deinem Alltag unterstützen. Glaub mir, sie machen dir die nächste Tiefphase sehr viel leichter.

Schreib oder rede es dir von der Seele

Da wir gerade bei Unterstützung sind: In Tiefphasen kann ich nur empfehlen, sich belastende Gefühle und Gedanken von der Seele zu schreiben. Das hilft, dir darüber bewusst zu werden, was du fühlst und woher das Tief eigentlich kommt. Außerdem kann es dir helfen, eine neue Perspektive auf deine Gefühlswelt zu bekommen.

Wenn du möchtest und dich dazu in der Lage fühlst, kannst du dir auch bei einer vertrauten Person alles von der Seele reden. Doch bitte tu dies nur, wenn du jemanden hast, der dein Problem wirklich ernst nimmt und dir einfach zuhören kann, ohne Wertungen abzugeben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Reden auch mal nach hinten losgehen kann, wenn ich mich nicht ernst genommen gefühlt habe oder ich den Eindruck hatte, meine Gefühle wurden heruntergespielt. Oft geht es gar nicht darum, einen Ratschlag zu bekommen, sondern einfach jemanden zum Zuhören zu haben.

Es kann auch sein, dass du gar nicht darüber reden willst, weil du dir erst einmal bewusst darüber werden willst, was in dir vor sich geht. Das ist völlig legitim und auch mir geht es oft so, dass ich gar nicht in Worte fassen kann, was ich fühle und dass ich einfach Zeit für mich brauche. Nimm dir diese Zeit, wenn du sie brauchst.

Beginne ein Dankbarkeits- oder Erfolgstagebuch

Dieser Tipp ist mir sehr wichtig und ich lege dir wirklich ans Herz, ihn auszuprobieren, wenn du das Gefühl hast, dass ein Tief vor der Tür steht. Nimm dir ein paar Minuten Zeit und ein Blatt Papier oder ein Notizbuch und einen Stift. Je nachdem, woher das Tief kommt, schreibst du entweder die Dinge auf, für die du in diesem Moment dankbar bist oder die Dinge, die du schon in deinem Leben erreicht hast. Schau einfach, was sich gerade besser anfühlt. Natürlich kannst du auch einfach beides aufschreiben. Idealerweise machst du es zu einer täglichen Routine und schreibst dir jeden Tag drei Dinge auf, für die du dankbar bist und/oder die du heute geschafft hast.

Eine Vorlage für dein Dankbarkeits-Tagebuch zum Ausdrucken findest du übrigens hier.

Dankbarkeit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten heben nicht nur die Stimmung, sondern lenken deinen Blick auf die Dinge, die du in deinem Leben liebst beziehungsweise die Dinge, die du schon erfolgreich gemeistert hast. Ich finde das sehr hilfreich, wenn sich wieder mal ein Tief anbahnt und negative Gedanken aufkommen.

Ein Tief dauert so lange es dauert. Mach dir nicht zusätzlichen Druck, sondern nimm dir die Zeit, auch wenn das nicht einfach zu sein scheint. Wenn du jedoch das Gefühl hast in einer wirklichen Krise zu stecken oder gerade einen Schicksalsschlag hinter dir hast, schau gern mal hier vorbei. Dort findest du Tipps und Hilfe dazu, wie du mit Krisen und Schicksalsschlägen umgehen lernen kannst.

Ich wünsche dir alles Liebe,

Deine Jenny

4 Kommentare

  1. Danke, danke für diesen Post! Genau zur richtigen Zeit auch für mich. Ich schwebe momentan in der Luft da ich nicht weis, was meine Zukunft bringen wird. Zwar hat mir mein letzter Urlaub eine kurze Atempause verschafft, aber so ganz gereicht hat es dann doch nicht. Ich danke dir für die Erinnerung, wie ich richtig damit umgehen sollte. So was vergisst man viel zu leicht. Geholfen hat mir in meiner bisher schlimmsten Phase sehr, dass ich viel Zeit mit meinem besten Freund verbracht habe. Ich war mehr bei ihm als bei mir daheim und es hat so gut getan weil er einfach zuhört, versteht und mich ablenkt. Für diese Phase jetzt ist das der falsche Weg weil die Ursache diesmal eine andere ist aber was ich wieder einführen werde, gleicht deinem Dankbarkeitstagebuch. Jeden Morgen, vor dem Augen öffnen und aufstehen noch, zähle ich mir drei Dinge auf, warum der Tag gut wird. Das geht von leckerem Essen über telefonieren mit dem Freund bis hin zu einer neuen Folge meiner Lieblingsserie oder dass ich mein Lieblingsshirt tragen werde.
    Danke, dass du mich daran erinnert hast, worauf es jetzt ankommt.
    Susann

    1. Liebe Susann,
      danke für deinen wunderschönen Kommentar. Es berührt mich sehr, was du schreibst und vor allem, dass dir mein Post helfen konnte. Ich finde es toll, dass du sagst, dass ich dich „erinnert“ habe, denn meist wissen wir, was wir eigentlich gerade brauchen, aber irgendwie brauchen wir jemanden oder etwas, der uns daran erinnert. ich freue mich, dass ich diese Person sein durfte. Deine Art des Dankbarkeitstagebuchs klingt toll! Ich wünsche dir alles, alles Gute.
      Jenny

  2. Liebe Jenny,
    dieser Post kommt genau zur richtigen Zeit!
    Zwar habe ich auch selbst schon über das Überwinden von Tiefs geschrieben, aber dein Post hat mir trotzdem neue Erkenntnisse gebracht. Ich glaube, „Zulassen und Erlauben“ ist eins der wichtigsten Punkte – ohne diesen Mindset-Shift kommt man nicht raus. Nur wenn ich es zulasse und akzeptiere, kann ich loslassen.
    Mir hilft auch immer, alles aufzuschreiben. „Drüber reden“ mag ich meistens nicht, aber irgendeinen Katalysator braucht man.
    Und dieser Satz „Mach dir nicht zusätzlichen Druck, sondern nimm dir die Zeit, auch wenn das nicht einfach zu sein scheint.“ trifft es auf den Punkt! Hat ne Weile gedauert, bis ich das verstanden habe, aber wenn etwas sicher ist, dann dass es okay ist, sich die Zeit zu nehmen, die man braucht. Zwanghaft versuchen, „wieder happy zu sein“ führt nirgendwo hin.

    Also danke für diesen tollen Post! 🙂

    Liebe Grüße,
    Chrissi

    1. Liebe Chrissi,
      danke für deinen Kommentar. Ich freue mich total, dass dir mein Post geholfen beziehungsweise neue Erkenntnisse gebracht hat. „Zulassen und Erlauben“ klingt eigentlich am einfachsten, aber ist für mich tatsächlich auch meist der schwerste Part. Ich schreibe auch lieber als darüber zu sprechen, aber jedem hilft da etwas anderes.
      Ich wünsche dir alles, alles Gute 🙂
      Liebe Snnengrüße,
      Jenny

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