Den richtigen Yogastil finden - Ashtanga Yoga

Den richtigen Yogastil finden – Ashtanga Yoga

Im vierten Teil der Reihe „Welches Yoga passt zu mir?“ stelle ich dir einen der körperlich anspruchsvollsten und gleichzeitig spannendsten Yogastile vor: Ashtanga Yoga. Ich verrate dir, was Ashtanga Yoga genau ist, was dich in einer Ashtanga Yoga-Stunde erwartet und ob dieser Yogastil gut für dich geeignet ist.

Den richtigen Yogastil finden

Vielleicht hast du schon einmal etwas von Hatha, Vinyasa oder Jivamukti gehört?! Schwirrt dir der Kopf von den vielen verschiedenen Yogastilen? Keine Sorge, du findest das passende für dich. Denn obwohl alle Yogastile auf den gleichen Ursprung zurückgehen, existieren mittlerweile mehr als einhundert verschiedene Yogavarianten. Egal ob dynamisch, sanft, akrobatisch oder meditativ – für jeden Yogi ist etwas dabei.

In meinem ersten Artikel zu dieser Yogastile-Reihe habe ich bereits meine besten Tipps mit dir geteilt, wie du den passenden Yogastil für dich findest. Falls du diesen Artikel also noch nicht kennst, empfehle ich dir erst hier vorbeizuschauen und danach wieder hierher zurückzukommen.

Außerdem findest du in dieser Reihe noch Artikel zu den folgenden Yogastilen:

Die verschiedenen Yogastile im Überblick

In dieser Artikelserie möchte ich dir verschiedene Yogastile, ihre Besonderheiten, Wirkungen und Philosophien vorstellen. Damit möchte ich dir die Entscheidung erleichtern, welcher Yogastil der richtige für dich ist und dir einen Einblick in die verschiedenen Ausprägungen des Yoga geben.

Dieser Artikel liegt mir besonders am Herzen, weil er quasi ein Heimspiel für mich ist. Denn Ashtanga Yoga ist der Yogastil, in dem ich Zuhause bin. Wie du sehen wirst ist dieser Yogastil sehr speziell und nicht für jeden Typ von Yogi geeignet. Er besitzt jedoch auch eine große Nähe zur Yoga-Tradition und meiner Meinung nach eine ganz eigene Magie. In diesem Artikel erkläre ich dir, was dich in einer Ashtanga Yoga-Stunde erwartet und welche Wirkungen es hat.

Falls du einen Eindruck davon haben möchtest, wie Ashtanga Yoga aussehen kann, schau gern mal hier vorbei. Dieses Video war das erste, was ich zu Ashtanga Yoga gesehen habe. Es hat mich damals so fasziniert, dass ich mich danach informiert und schließlich mit Ashtanga Yoga begonne habe. Wie viele andere kam auch ich über den körperlichen Aspekt zum Yoga und bin wegen der spirituellen Aspekte geblieben.

Was ist Ashtanga Yoga?Den richtigen Yogastil finden - Ashtanga Yoga

Der Begriff ‚Ashtanga‘ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie „acht Glieder“. Das Ashtanga-Yoga-System besteht nämlich aus acht Gliedern:

  1. Yama – Verhaltensregeln anderen gegenüber
  2. Niyama – Verhaltensregeln uns selbst gegenüber
  3. Asana – Körperhaltungen
  4. Pranayama – Atemübungen
  5. Pratyahara – Zurückziehen der Sinne
  6. Dharana – Konzentration
  7. Dhyana – Meditation
  8. Samadhi – Erleuchtung

Dieser achtgliedrige Pfad wird in der Yogasutra von Patanjali beschrieben, einem der wichtigsten Grundlagentexte der Yogaphilosophie. Obwohl Ashtanga oft als eine sehr körperliche Praxis beschrieben wird, geht es weit darüber hinaus und nur ein kleiner Teil der Lehre widmet sich tatsächlich den Körperübungen (Asanas).

Insgesamt existieren sechs Übungsserien, von denen meist nur die erste (Primary Series) gelehrt wird. Jede Serie besteht aus einer einer festgelegten Sequenz von Körperhaltungen, die meist für fünf Atemzüge gehalten werden und miteinander dynamisch verknüpft sind. Erst wenn man eine Serie voll beherrscht, kann man zur nächsten übergehen. Jede Serie ist für sich sehr anspruchsvoll, weshalb nur wenige Menschen über die erste Serie hinausgehen. Das ist aber auch gar nicht von Nöten, denn schon die erste Serie des Ashtanga Yoga bietet eine vollkommen runde Praxis mit Sonnengrüßen, stehenden Haltungen, sitzenden Yogaübungen, einer Schlusssequenz und einer Schlussentspannung.

Die Asanas werden mit Hilfe der Atmung (Ujjayi), Energieverschlüssen (Bandhas) und Fokuspunkten (Drsti) praktiziert. Diese drei bilden die sogenannte Tristhana Methode. Geübt wird meist in sogenannten Mysore Klassen, in denen sich jeder Schüler gemeinsam mit dem Lehrer die Sequenz Stück für Stück in seinem eigenen Rhythmus erarbeitet. Der Lehrer macht dabei keine allgemeinen Ansagen, sondern geht im Raum herum und assistiert wenn nötig. Neben den Mysore Klassen existieren auch Led-Klassen, in denen die einzelnen Übungen und die Atmung angesagt werden.

Wie ist Ashtanga Yoga entstanden?

Ashtanga Yoga stammt aus dem Hatha Yoga und ist eine jahrhundertealte Lehre aus Indien. Nach Krishnamacharya, der die Lehre des Ashtanga Yoga besonders in Indien verbreitete, finden sich die ältesten Aufzeichnungen über dieses Yoga-System in der „Yoga Korunta“ von Vamana Rsi. Krishnamacharya selbst begann 1927 Ashtanga Yoga in Mysore zu unterrichten.

Einer seiner Schüler war Pattabhi Jois, der zehn Jahre später selbst begann, diesen Yogastil zu lehren und 1948 das „Ashtanga Yoga Research Institute“ in Mysore gründete. Er war es, der Ashtanga Yoga schließlich auch für Menschen aus dem Westen zugänglich machte. Nachdem Pattabhi Jois 2009 verstarb, trat sein Enkel R. Sharath Jois an seine Stelle und unterrichtet seitdem in der Shala in Mysore Yogaschüler aus aller Welt die Praxis des Ashtanga Yoga.

Obwohl jeder Lehrer beteuerte, nichts geändert und die Lehre des Ashtanga Yoga unverändert an seine Schüler weitergegeben zu haben, finden sich im Laufe der Jahre mehr oder weniger größere Wandlungen in der Ashtanga-Yoga-Praxis. Die Reihenfolge mancher Yogaübungen änderte sich, die Übergänge wurden dynamischer und auch in der Ausrichtung der einzelnen Asanas gab es Veränderungen.

Welches Yoga passt zu mir - So findest du den richtigen Yogastil

Was dich beim Ashtanga Yoga erwartet?

Ashtanga Yoga ist ein sehr dynamischer und körperlich fordernder Yogastil mit einer festgelegten Reihe an Übunge. Das Üben der Körperhaltungen steht in den meisten Yogaklassen im Mittelpunkt. Daher wird besonders in den Mysore-Klassen in Stille geübt. Besonders als Anfänger kann es ungewohnt sein, wenn neben dir andere Yogis andere, manchmal auch verrückte Asanas praktizieren. In einer Ashtanga-Yoga-Stunde kannst du dich darauf einstellen, zu schwitzen, laut zu atmen und völlig erschöpft, aber glücklich aus der Stunde zu spazieren.

Wenn du Anfänger bist, informiere dich am besten vorher, welches Level für dich geeignet ist. Die meisten Studios bieten Anfängerkurse an. Aber auch die Mysore-Klassen sind tolle Anlaufstellen, wenn du mit Ashtanga Yoga beginnen möchtest. Dort kannst du ganz individuell und nach deinem Rhythmus lernen und praktizieren und der Lehrer kann dir Hilfestellungen geben.

Was bewirkt Ashtanga Yoga?

Nach einiger Zeit des Übens wirst du merken, dass dein Körper kräftiger, aber auch flexibler wird. Auch deine Kondition wird sich verbessern und durch das regelmäßige Schwitzen wird der Körper sozusagen von innen gereinigt. Außerdem wird dein Geist ruhiger und fokussierter werden und du wirst dich besser konzentrieren können.

Ashtanga Yoga ist ein umfassendes Yogasystem. Mir hat es neben den körperlichen Wirkungen vor allem geholfen, eine gewisse Disziplin zu entwickeln und meinen Geist frei zu machen. Ich schlafe besser und merke, dass ich durch das regelmäßige Üben herausfordernder Asanas auch mit Herausforderungen im Alltag besser umgehen kann. Ich habe meinen Körper zu schätzen gelernt und meine Yogapraxis ist zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden.

Ist Ashtanga Yoga etwas für dich?

Lass dich von den herausfordernden Übungen nicht abschrecken. Jeder, der möchte, kann Ashtanga Yoga üben. Selbst wenn oder gerade wenn du gesundheitliche Einschränkungen hast, ist dieser Stil etwas für dich, denn in den Mysore-Klassen übst du in deinem Rhythmus und nach deinen Möglichkeiten und der Lehrer wird dir helfen, die Asanas wenn nötig etwas abzuwandeln und anzupassen.

Dieser Yogastil ist prinzipiell für dich geeignet, wenn:

  • du einen körperlich anspruchsvollen Yogastil suchst, der dich an deine Grenzen bringt
  • Disziplin kein Fremdwort für dich ist und du mit dem Herzen voll dabei bist
  • du zu einem gewissen Teil eigenständig üben kannst und möchtest
  • dir festgesetzte Übungsserien nichts ausmachen
  • du damit leben kannst, wie verrückt zu schwitzen und neben anderen Yogis zu üben, die scheinbar Superkräfte besitzen oder sich aus unfassbare Art verbiegen können
  • du bereit bist, regelmäßig zu üben

Starte mit deiner Yogapraxis

Es gibt in Deutschland deutlich weniger Ashtanga Yoga-Studios als Studios für Vinyasa oder Hatha Yoga. Dennoch steigt die Zahl der Studios ständig und mit etwas Glück findest du auch eins in deiner Nähe. Das Üben mir einem kompetenten Lehrer ist nicht zu ersetzen.

Falls du jedoch nicht die Möglichkeit haben solltest, ein Yogastudio aufzusuchen, findest du tolle Videos bei Kino MacGregor (teilweise auch für Anfänger, aber auf Englisch). Besonders wenn du Zuhause übst, solltest du dich nicht überschätzen und über deine Grenzen hinausgehen. Denn sonst kann es schnell zu Verletzungen kommen.

Um zu beginnen brauchst du nichts weiter als dich, deine Yogamatte und etwas Motivation. Die bekommst du unter anderem in meinem NewsletterDort erwarten dich auch ein paar tolle Überraschungen wie ein kostenloses Ebook mit den besten Tipps für eine regelmäßige Yogapraxis und ein vierwöchiges Yoga-Tagebuch. Trag dich gern hier kostenlos ein und schon bekommst du meine besten Tipps und Materialien in dein Mailpostfach geliefert.

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